29. Dezember: Das bittere Ende
Nach dem AnrufIch sitze da. Grübelnd. Ich bin aufgewühlt. Wir haben gerade ein für uns beide dickes Problem gelöst. Wir haben die beste mögliche Lösung gefunden. Über Internet können wir evtl. sogar über Skype, vielleicht sogar mit Videobild kommunizieren. Wir haben einen Meilenstein gesetzt. Und wir haben ein Datum für unser Treffen. Sogar eine ganze Woche wollen wir zusammen verbringen. Und sie will wirklich lieber die Wohnung saubermachen, als mit mir zu sprechen?Dies ist die letzte Möglichkeit, einen Fehler zu verhindern, wird mir bewusst. Surfen nach ElenaIch tippe wie in Trance Elenas vollständigen Namen »Elena Penkova« in Google ein. Ein Profil auf einer Kontaktseite öffnet sich. Eine fremde Seite, aber im Prinzip das gleiche, das ich schon kenne. Ich klicke rum. Für 3$ pro Minute arrangieren sie mit diesen Frauen Telefongespräche. Nein, kein Sex. Nur Kontakt.Mein Blick fällt auf Elenas Geburtsdatum. Moment mal. Olesya, ihre angebliche Schwester ist ja nur 3 Monate jünger. Wie geht denn das? Und sie hat auch einen anderen Nachnamen: Elena Penkova / Olesya Lisogor. Was weiß ich über sie? Papa hat die Familie verlassen, als sie 8 war. Mama hat die beiden großgezogen. Zwei Väter und eine Mutter geht nicht. Also müsste Papa während Mama mit Elena schwanger war, mit jemand anderem schöne Dinge getan haben. Und daraus wäre dann Olesya entstanden, die ihre Mutter dann nicht haben wollte und so wurde die Mama von Elena auch Mama von Olesya. Über Papa, der die Familie später dann auch verlassen hat. Das klingt mehr als unwahrscheinlich. Olesya hat ihre Straße angegeben. Es ist die Lutuginska in Lugansk. Das ist doch die Adresse von Elena. Die wohnt aber mit einer befreundeten Studentin zusammen. Ich benutze die Google-Bilder-Suche. Suche nach Frauen mit dem Namen Elena in Kombination mit Stadt, Land und Nachnamen. Und da war doch noch ein Wort … Scam. Scam - was ist das?Scam. Dieses Wort war in der Mail dieser Agency erwähnt worden. Die Agency geht angeblich dagegen vor. Wikipedia gibt Auskunft, dass es sich hierbei um eine Art Kontakt-Spam handelt. Stimmt. Kriege ich jede Woche ein paar von. Irgendwelche russische Frauen schreiben mir ohne mich zu kennen, dass sie mich kennenlernen möchten. Kann nur Betrug sein. Hab noch nie darauf reagiert. Offenbar gibt es davon eine Variante, die keine Massen-E-Mails verschickt, sondern mit besonders hübschen Bildchen ahnungslose Männer ködern wollen.Suchen nach den Begriffen Scam, Elena, Penkova, Lugansk, Ukraine in allen VariationenIch finde Internet-Seiten, die sich mit der Problematik Scam beschäftigen.Wieder verwende ich die Bilder-Suche. Ich fass es nicht. Wer ist das? Es ist kein Foto, das ich kenne. Aber es könnte Elena sein. Bildersuche, normale Suche, Verlinkungen. Wo auch immer ich hinklicke finde ich mehr. Bilder von ihr in allen möglichen Posen und zig Seiten mit Männern, die ihre E-Mails ins Netz gestellt haben. Teilweise liegen diese Dinge schon 3 Jahre zurück. Verschiedene Ausweispapiere. Ein Visum nach Amerika. Pässe aus Russland und der Ukraine. Verschiedene Namen - auch auf amtlichen Dokumenten. Geburtsdaten, die zwischen 1975 und 1987 variieren. Unfassbar. Wie vom Blitz getroffen laufe ich in meiner Wohnung auf und ab. Ich will mich damit nicht abfinden. Etwas sagt mir, dass es dazu eine Erklärung geben muss. Ich stelle mich vor den Spiegel und sage mir: Roland, du hast es selbst gesehen. Es sind zuviele, um ein Missverständnis zu sein. Es ist so. Dieses Mädchen ist nicht real. Ich surfe weiter. Lese mir ein paar Mails an die anderen Männer durch. Andere Texte. Andere Situationen. Immer wieder aber auch diese besondere Art der Zurückhaltung, die ich auch kenne. Sätze wie "Ich würde ja gern nach Amerika zu dir kommen. Aber man hört so viel. Hier erzählt man sich, dass manche Frauen dort dann eingesperrt werden und zur Prostitution gezwungen werden. Aber ich weiß, dass du ganz anders bist blabla. Ich vertraue dir. " Aufgelöst schreibe ich eine Mail an Elena. Natürlich unreflektiert aber gottseidank nicht besonders wortreich. Ein paar Zeilen und dann Goodbye. Ich höre niemals wieder von ihr. Selbst Tage danach checke ich meine E-Mails öfter als sonst und wünschte mir, sie würde nochmal schreiben. Vielleicht dass sie gezwungen worden wäre. Wie blöd kann man sein ;-)) >>> Gute Vorsätze: Das Fazit (Lesen!) >>> Kapitel
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