18. Dezember: Sie hat mich
Dienstag, 18. DezemberEigentlich habe ich heute einen Termin. Ich sage ihn ab und rufe Elena an. Habe das Gefühl, ihr beistehen zu müssen. Elena ist völlig am Ende mit den Nerven.Für sie dreht sich alles nur noch um diese 300 $ die sie bis Freitag zusammenkriegen muss. Sie weint, ist sauer, diskutiert. Erklärt mir das mit dem Mietvertrag. Was mit Mami ist, verstehe ich immer noch nicht. Wir schweigen uns lange an. Hören nur das Atmen des anderen. Jeder wartet, dass der andere etwas sagt, was die Situation entschäften könnte. Ich bin nah dran zu sagen, »komm ich bezahl den Scheiß«. Aber immer wieder läuft es vor mir ab: Agency, Handy, Court. Agency, Handy, Court. Da ist was faul, auch wenn du es noch so ungern wahrhaben möchtest. Ich bin völlig fertig. Wir schweigen uns minutenlang an. Mache ich einen etwas lauteren Schnaufer hört man sie sofort auch. Es ist wie bei einem Verdurstenden, für den es gerade nur noch eine mögliche Lösung gibt. Und diese Lösung scheint zu sein. Ich schicke ihr 300 $. Sie spricht zu sich selbst, nicht in den Hörer. Irgendwas wie »Jetzt machen uns diese ganzen Probleme alles kaputt.« Aber ihr Selbstgespräch verläuft anders als von mir erwartet: »Ich brauche einen Mann, auf den ich mich verlassen kann und der mir beisteht … blabla«. Kein Hadern mit der Situation. Ein Hadern mit mir? Wir schweigen uns wieder an. Ich überlege nochmal, ob das hier wirklich Sinn macht. Aber gestern hab ich sie gefragt, ob sie weiter Kontakt haben möchte. Sie sagte ja. Also bleib ich dran. Plötzlich wird das Gespräch unterbrochen. Die 30-Minuten-Nummer. Kennen wir schon. Ich rufe nicht mehr an. Was hätte das auch bringen sollen. Nach dem GesprächIch fühle mich schlecht. Depressiv. Ausgebrannt. Vielleicht soll ich einfach nachgeben. Das Mädchen das ich vielleicht mal heiraten will, leidet. Leidet sie wegen mir? Nein. Aber ich könnte helfen. Wenn da nicht dieses Misstrauen wäre.Sie hat michIch fange an im Internet zu surfen und nach Möglichkeiten zu suchen, schnell Geld zu transferieren. Western-Union. Allein schon bei dem Namen kriege ich Ausschlag. Weiß ich doch, dass viele Online-Betrügereien über diesen Service ihr Geld genau in die Gegend transferieren, in der Elena lebt. Ich suche weiter. Versuche mich zu informieren. Finde Foren. Finde auch Informationen, dass die ukrainischen Behörden sehr aufmerksam Geldtransfers überwachen und dann von den Empfängern 40% Steuern kassieren. Dann hätten wir das gleiche Problem wieder.Eine Stunde später. Auf der Western-Union-Seite finde ich die Möglichkeit zur Online-Geldanweisung ins Ausland. Ich bin sicher, dass das nur nach irgendeiner Art von Anmeldung gehen wird. Trotzdem klicke ich mich mal durch den Dialog. Siehe da. Für die Ukraine steht der Online-Transfer momentan nicht zur Verfügung. Männer - lacht mich aus, wenn ihr wollt. Ich hätte es getan. Ich hätte an diesem Abend Geld in die Ukraine geschickt. Es ist unfassbar, was dieses Mädchen für schauspielerische Fähigkeiten hat. >>> 19. Dezember: Sie mailt >>> Kapitel
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